Vor dem Spiel in Lotte wären wir sicher mit einem Zähler zufrieden gewesen. besonders auch dann noch, als wir nach einer guten Stunde mit 0-2 hinten lagen. Doch dann erreichte die Krämer-Elf nach großem Kampf noch ein 2-2 und schnupperte sogar noch am Sieg. Ein Sieg, der nach dem Spielverlauf am Ende absolut verdient gewesen wäre.

Die spannendste Frage zu Beginn war: Wer spielt bei Rot-Weiß für den verletzten Möckel neben Erb in der Innenverteidigung?.Die Antwort des Erfurter Trainers lautete: Nikolaou ! Für ihn rückte Bergmann ins Team, der die Position von Nikolaou im Mittelfeld einnahm. Und auch Aydin war wieder von Beginn an dabei. Für ihn blieb Uzan draußen.

Das Spiel begann mit einer druckvollen Anfangsphase der Westfalen für die Pires-Rodriguez in der 10. Minute die erste gute Tormöglichkeit hatte, einen wunderbar gezirkelten Freistoß aus halbrechter Position und rund 18 Metern Torentfernung aber gottlob nur an die Latte des Erfurter Tores setzte. Voraufgegangen war ein Foulspiel von Nikolaou an Kaffenberger, für das Nikolaou die gelbe Karte erntete.

Nach kanapp einer Viertelstunde wurden die zunächst doch zögerlich agierenden Rot-Weißen allmählich munterer. Das Mittelfeld bekam besseren Zugriff und siehe da, plötzlich geriet auch das Tor des Aufsteigers in Gefahr. Zunächst verpasste Aydin aus spitzem Winkel den Kasten der Gastgeber nur knapp (16.), dann fehlten Tyrala aus 20 Metern nur wenige Zentimeter (20.) und auch Kammlott war aus dem Gewühl heraus nahe dran die Gästeführung zu erzielen (25.). Erfurt jetzt tonangebend, stark über die Flügel mit Aydin und vor allem auch Brückner und selbst unsere Außenverteidiger Odak und Menz schalteten sich immer wieder vielversprechend vorne ein. Es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis RWE in Führung gehen würde. Doch dann wurde das hoch stehende Team von Stefan Krämer urplötzlich hinten kalt erwischt und gnadenlos ausgekontert. Das Resultat: Die Führung für Lotte durch Freiberger in der 34. Minute.

Doch RWE zeigte sich bis zur Pause jedoch keineswegs geschockt, sondern versuchte weiter alles um möglichst schnell zum Ausgleich zu kommen. Mehr als ein Pfostenschuß von Odak (38.) sprang aber vor dem Seitenwechsel leider nicht mehr heraus. So ging es mit der knappen Führung für den Neuling in die Kabinen.

Mit Wiederanpfiff erlebten die rund 1800 Zuschauer in der Frimo-Arena von der ersten Minute an ein beispielloses Powerplay der Gäste, die Lotte zeitweise an ihrem eigenen Strafraum festnagelten. Selbst Abwehrchef Erb hielt es nicht hinten. Zahlreiche zweite Bälle eroberte sich das Team, nur beim Abschluss war der Wurm drin, fehlte die Genauigkeit beim letzten Zuspiel. Nach gut einer Stunde kamen die Westfalen dann zum ersten Mal überhaupt in der 2. Halbzeit wieder mal über die Mittellinie und erzwangen in der 68. Minute sogar einen Eckball. Einen Eckball mit Folgen, denn Neidhardt rammte den Ball aus kurzer Distanz zum 2-0 in die Maschen des Erfurter Tores. Der Spielverlauf jetzt vollends auf den Kopf gestellt. Erfurt klar überlegen, aber Lotte machte die Tore. Stefan Krämer setzte jetzt alles auf eine Karte, brachte mit Bieber (für Vocaj) und Benamar (für Odak) zwei weitere Angreifer. Der Druck der Thüringer auf die Abwehr der Lotter Mannschaft dadurch nochmal erhöht. Und jetzt endlich knickte Lotte ein. Wendel verlor für einen Augenblick im eigenen Strafraum die Nerven und spielte den Ball mit der Hand. Konsequenz: Elfmeter und Gelb-Rote Karte für Wendel, der zuvor in einer anderen Szene schon verwarnt worden war. Nicht Erb, der gegen Aalen noch verschossen hatte, sondern Kammlott schnappte sich den Ball und legte ihn auf den Punkt. Kurzer Anlauf und unser Torjäger verwandelte sicher zum Anschlußtreffer (75.). Noch eine Viertelstunde in Überzahl. Ging da noch was? Und ob ! Nur drei Minuten später: Ecke Aydin von rechts und am langen Pfosten lauerte, wie schon vorige Woche in Frankfurt, erneut Kammlott und bugsierte den Ball über die Linie. Der Ausgleich nach Doppelpack Kammlott ! Lotte fix und fertig und Erfurt jetzt bemüht sogar das Spiel vollends zu drehen. Eine Chance sollte es dazu auch noch geben. In der Nachspielzeit für...na für wen schon. Für Kammlott natürlich, der aber aus der Drehung knapp verzog.

Am Ende eines dramatischen Spiels zwar kein Hattrick für Kammlott, auch keine drei Punkte, die mehr als verdient gewesen wären, sondern nach 0-2 ein 2-2 und damit einen Zähler eingefahren. Doch die Art und Weise, wie RWE hier heute aufgetreten war nötigt größten Respekt ab. Das war Moral pur, höchste Lauf- und Einsatzbereitschaft. Darauf lässt sich weiter aufbauen. Komliment an die Mannschaft !

Wir waren das bessere Team, aber für uns stimmt der Ertrag hinsichtlich des Aufwandes nicht, welchen wir über das komplette Spiel betreiben haben."

Stefan Krämer, RWE-Trainer

Sonntag fährt das Team nach Mainz, um beim Bundesligisten ein Freundschaftsspiel zu bestreiten (15.00 Uhr, Bruchwegstadion), doch wird der Trainer nach der anstrengenden englischen Woche viele Spieler aus der Stammformation schonen und daheim lassen. Eventuell wird neben einigen jungen Spielern auch der eine oder andere Testspieler dabei sein.

Am kommenden Wochenende ist dann Landespokal, die erste Runde, ehe wir in 14 Tagen daheim wieder um Punkte spielen. Dann kommt Fortuna Köln in den Steigerwald.



12.08.2016 \ Profis