Nach vier sieglosen Spielen hat sich der RWE mit einer spielerisch und kämpferisch herausragenden Leistung wieder eindrucksvoll zurückgemeldet und die rote Laterne der bisher heimschwächsten Mannschaft der Liga an den FSV Zwickau weitergereicht. Christopher Bieber wurde vor der Rekordkulisse von 9000 Zuschauern zum Matchwinner für die Thüringer.

Vor dem Spiel richtete RWE-Präsident Rolf Rombach eindrucksvolle Worte des Mitgefühls und des Beileids an die knapp 2500 aus Magdeburg angereisten Zuschauer . "In den Farben sind wir getrennt, in der Sache aber vereint" rief er den Gästen zu und überreichte einen Kondolenzkranz für den in dieser Woche verstorbenen FCM-Fan Hannes an zwei Magdeburger Anhänger.

Unter dem Eindruck der obwaltenden Umstände begann die Partie, bei der beide Mannschaften Trauerflor trugen, recht verhalten. Stimmung kam zunächst nur aus dem Erfurter Ultra-Block, wohingegen es auf der Gegenseite eine halbe Stunde lang fast totenstill blieb.

Doch bald schon wurden beide Teams munter, wobei Erfurt deutlich aktiver war. Brückner und Bergmann brachten das vom Ex-Unioner Glinker gehütete Magdeburger Tor einige Male in Bedrängnis. Der ehemalige Erfurter Handtke vergab auf der Gegenseite eine ansprechende Chance. Nach 32 Minuten, ohne das eine gegnerische Einwirkung erkennbar gewesen wäre, schlich plötzlich Erfurts Torjäger Kammlott vom Platz und wurde durch Bieber ersetzt. Was keiner sich erklären konnte, löste Erfurts Mannschaftsarzt Dr.Ullmann nach kurzer Untersuchung auf. "Carsten hat eine Blockierung der Halswirbelsäule, kann den Kopf nicht mehr drehen". Bis zur Pause drehte Erfurt dessen ungeachtet weiter mächtig auf. Vocaj, Brückner und Tyrala suchten den Abschluss aus allen Lagen und hatten jeweils durchaus Pech, denn jeder Schuss hätte sitzen können. So aber ging es torlos in die Kabinen.

Im 2. Abschnitt entwickelte sich ein Spiel auf Biegen und Brechen. Optisch Erfurt dabei weiter mit Vorteilen, aber die Magdeburger Hintermannschaft, die viel zu tun bekam, hielt lange stand. Aber auch der FCM hatte starke Phasen. Brandt mit einer dicken Chance und Löhmannsröben, der mit einem "Hammer" aus 25 Metern nur die Latte des Erfurter Tores traf, waren nah dran an der Führung für die Gäste. Doch dann schlug auf Seiten der Rot-Weißen der Augenblick des Christopher Bieber. Nach einer Flanke von Tyrala wuchtete er die Kugel mit dem Kopf zum 1:0 ins lange, rechte Eck (82.). Er wollte dieses Tor so sehr, das er sich in der Aktion selbst nicht schonte, denn der Gegner traf ihn beim Abwehrversuch mit dem Fuß am Kopf. Mit einer blutenden Platzwunde und einem weißen Kopfverband spielte er die Begegnung zu Ende und brachte mit seinen Kollegen das Ding über die Zeit.

Mit der ersten Halbzeit war ich zufrieden. Wir haben die Grundordnung gewechselt, um Überzahl im Zentrum zu kriegen. Wir hatten keine hundertprozentigen Torchancen, aber einige Abschlüsse. In der zweiten Halbzeit ist das Spiel ein bisschen gekippt, auch dadurch weil wir mit Kammlott und Brückner extreme Substanz auswechseln mussten. Kompliment an meine Mannschaft, das haben wir gut verteidigt. Dann hatten wir eben diesen einen Moment, den wir in den letzten Wochen nicht hatten."

Stefan Krämer, Cheftrainer

Erfurt nach dieser tollen Vorstellung, bei der man auch die Abwehr mal wieder ausdrücklich loben muss, weil diese aufmerksam und "zu Null" spielte, jetzt wieder im sicheren Mittelfeld. Schade nur, dass sich Odak die 5. Gelbe Karte einfing und Brückner nach einem Tritt gegen das rechte Schienbein ausschied. Ob er und Kammlott in der kommenden Woche in Bremen auflaufen können, werden die kommenden Tage zeigen. Weitere Ausfälle können wir, angesichts der ohnehin angespannten Personallage, eigentlich nicht gebrauchen.


15.10.2016 \ Profis