Bei regnerischem Wetter arbeitete sich Rot-Weiß Erfurt erfolglos an Zweitligaabsteiger SC Paderborn ab. Am Ende gingen die Gäste als klarer 3-1 Sieger vom Platz. 5550 Zuschauer sahen die Begegnung im Steigerwaldstadion.

Gleich zwei "Fußball-Götter" begrüßten die Fans bei der Verlesung der Mannschaftsaufstellung vor Spielbeginn. Da wurde Carsten Kammlott aus der Erfurter Ecke in dieser Weise begrüßt und dann....bemerkenswert, feierte der schmale Paderborner Anhang unseren Daniel Brückner ebenso. Unser Mittelfeldspieler ist bei den Fans seines ehemaligen Vereins ganz offensichtlich noch nicht in Vergessenheit geraten.

Die Anfangsphase des Spiels gehörte klar dem RWE. Die erste gute Chance des Spiels hatte Okan Aydin nach nicht minder guter Vorarbeit von Kapitän Sebastian Tyrala (3.). Augenblicke später war es der Kapitän selbst, der hätte treffen können, doch SCP-Keeper Lukas Kruse warf sich seinem Schuss entschlossen entgegen (5.). Man sah, die Mannschaft wollte ein frühes Führungstor, hatte beim Abschluss aber leider Pech. Die zunächst sehr verblüfften Gäste zeigten sich aber bald schon etwas couragierter und hatten in einem Kopfball von Tim Sebastian, der knapp über die Latte des Erfurter Tores strich, bald auch ihre erste nennenswerte offensive Szene (8.). Doch bis Mitte des ersten Durchgangs dominierten weiter die Thüringer. Eine Vielzahl von Eckbällen erarbeitete sich das Team von Stefan Krämer und der Spielaufbau sah insgesamt sehr gefällig aus. Doch urplötzlich schaltete der Zweitligaabsteiger einen deutlichen Gang hoch, legte die anfängliche Zurückhaltung ab und zeigte selbst gefälliges und schnelles Kombinationsspiel nach vorne. Dafür haben sie ja durchaus eine hohe Anzahl ausgezeichneter Spieler in ihren Reihen. Marc-Andre Kruska packte schließlich unversehens in der 23. Minute einen Traumpass aus, der Bickel schlagartig am Erfurter Strafraum völlig frei stellte. Der wiederum ließ sich nicht lange bitten und netzte ganz cool zum 0-1 ein. Toll gespielt und ebenso vollendet, wie man fraglos anerkennen musste. Paderborn jetzt richtig im Spiel. Kurz vor der Pause (42.) tanzte Sven Michel die halbe RWE-Abwehr aus und schob Philipp Klewin den Ball durch die Beine und in die Maschen. Das 0-2, gleichbedeutend mit dem Halbzeitstand. Zwischenfazit: Starker Beginn der Platzherren, doch dann zauberte Paderborn, das keineswegs unverdient in Führung lag.

Zur zweiten Halbzeit ließ Stefan Krämer Mittelfeldspieler Theodor Bergmann in der Kabine und brachte mit Christopher Bieber einen zusätzlichen Stürmer. Würde der RWE dieses 0-2, wie schon in Lotte, noch egalisieren können, fragten sich die Rot-Weißen Fans? In jedem Fall packte die Mannschaft alles aus, was sie heute drauf hatte. Sofort, wie schon zu Spielbeginn, drückten sie die Ostwestfalen wieder hinten rein. Sebastian Tyrala hatte nach einer guten Stunde dann die bis dahin größte Chance der 2. Halbzeit. Sein strammer Fernschuss wurde jedoch eine Beute von SCP-Keeper Kruse. Doch die Aufholjagd ging weiter. Ab der 68. Minute sogar mit Stürmer Nr. 3: Tugay Uzan kam für Christoph Menz. Stefan Krämer setzte alles auf eine Karte. Ein Traumpass von Tyrala auf Kammlott ließ die RWE-Fans kurz den Atem anhalten, doch auch der Top-Torjäger der Liga scheiterte an Torwart Kruse. Das Tor der Gäste schien nicht erstürmbar. Auf der Gegenseite hatte sich lange Zeit nicht sehr viel ereignet. Paderborn war damit beschäftigt die Angriffe des RWE abzufedern und den Vorsprung zu behaupten. Doch auf einmal knallte Kruska einen Freistoss an die Latte des Erfurter Tores (73.). Wieder war Rot-Weiß sichtlich beeindruckt, erst recht, als nur eine Minute später Schonlau mit Pech aus drei Metern an Klewin scheiterte. Paderborn jetzt wieder am Drücker. Zolinski flankte aus dem Halbfeld und Michel köpfte den Ball gegen die Laufrichtung Klewins in der 79. Minute zum 0-3 in die Maschen. Die Sache damit entschieden. Der Treffer von Liridon Vocaj aus 30 Metern, ein Aufsetzer der auf dem nassen Rasen zusätzlich Fahrt bekam, stellte schließlich nur noch Ergebniskosmetik dar (81.).

Der Sieg der Gäste ging auch nach Ansicht von Stefan Krämer in Ordnung. Sein Team habe nach der 20. Minute den Zugriff verloren und im weiteren Verlauf zu oft die falschen Entscheidungen getroffen, analysierte der Coach nachher. So stand unter dem Strich die zweite Heimniederlage.

Am Dienstagabend muss die Mannschaft bereits in Osnabrück antreten. Die stehen aktuell zusammen mit Lotte und Duisburg punktgleich an der Spitze. Duisburg ist dann am kommenden Sonntag der übernächste Gegner der Rot-Weißen.


17.09.2016 \ Profis