Lange bot RW Erfurt den heimstarken Hallensern Paroli. Doch nach der Führung der Gastgeber verfiel die Mannschaft wieder in die alten Fehler.

Kalt war es heute in Halle, aber sonnig und damit der Jahreszeit entsprechend ein durchaus schöner Tag. Der hätte aber noch schöner sein können, wenn der RWE nicht wieder Geschenke verteilt hätte und so fast folgerichtig als Verlierer im Derby vom Platz ging.

Die erste halbe Stunde sah dabei noch wirklich gut aus. Die Erfurter hingen sich echt gut rein, bearbeiteten den Gegner mit Gegenpressing, rackerten, zeigten großartige Einsatzbereitschaft. Dann fiel das Tor des Tages. Flanke Brügmann, Kopfballtor Pintol. (39.) 1-0 ! Schulmäßig verausgespielt. Das war der Moment, ab dem RWE seine Linie verlor. Fehler in der Vorwärtsbewegung an deren Ende sich die "Jungs wieder wie Schulbuben haben auskontern lassen", so ein sichtlich mitgenommener RWE-Cheftrainers Stefan Krämer. Alles was er seit Wochen eigentlich gebetsmühlenartig predigt war wieder für die Katz `.

Dabei waren bis dato beide Team eigentlich gleichwertig gewesen, hatten durchaus auch gute Chancen. Die beste Gelegenheit der Hallenser hatten die rund 7700 Zuschauer schon früh mit einem Raunen quittiert. Fennell hatte Klewin aus Nahdistanz mit einem satten Schuss geprüft, den dieser, auch wenn er in die tiefstehende Sonne blinzeln musste, famos parierte (8.). Auf der anderen Seite: Flanke Aydin, Kopfball Nikolaou, der Ball zischte nur 20 Zentimeter am Torwinkel der Hallenser vorbei (28.) Ein wirklich schöner Vorstoss, der verrückterweise die Blaupause für den nur drei Minuten später auf der anderen Seite fallenden Treffer lieferte. Der war nämlich fast eine 1zu1 Kopie der Erfurter Aktion, nur das die Hallenser im Abschluss eben etwas genauer und glücklicher waren.

Nach dem Wechsel zunächst Halle wieder mit Pintol, dessen Schuss aus kurzer Entfernung von Menz auf der Linie geklärt wurde (50.).Dann traf Pfeffer für den HFC den Pfosten (63.). Beiden Aktionen waren unnötige Ballverluste auf Erfurter Seite vorangegangen. Pfeffer wurde dann in der 70. Minute zum eigentlichen Helden des Spiels. Im Mittelfeld ließ er sich im Duell mit dem bereits verwarnten Menz, wie er später selber sagte, aus Kraftlosigkeit fallen. Schiedsrichterin Steinhaus pfiff Freistoss für den HFC und zückte zum zweiten Mal in dieser Partie die Gelbe Karte für Menz. Eigentlich also Platzverweis für den RWE-Innenverteidiger. Der beschwerte sich vehement und bat Pfeffer um Aufklärung bei der Schiedsrichterin. Was der auch tat. Die Geste des Tages sorgte dafür, dass Steinhaus die Gelbe Karte zurücknahm und Menz weiterspielen konnte. Danke an Sascha Pfeffer für soviel Ehrlichkeit und fairen Sportsgeist, den ihm beide Trainer auf der nachfolgenden Pressekonferenz auch unisono zollten.

In der Schlußphase versuchte der FC Rot-Weiß viel, blieb aber im letzten Drittel, wie schon so oft, harmlos. Daran änderten auch drei frische Kräfte nichts (Bergmann, Bieber, Benamar). Torjäger Kammlott wurde in der Spitze praktisch nie gefunden, stand aber auch unter extrem sicherer Bewachung der Hallenser Hintermannschaft, Auf der anderen Seite hatte Halle gegen aufgerückte Erfurter mehr klare Möglichkeiten. Diring etwa, hätte in der 84. Minute für den HFC den Deckel drauf machen können, verfehlte aber sein Ziel. Doch auch so reichte es dem nun endgültig in der Spitzengruppe angekommenen Team von Rico Schmitt zu drei Punkten.

Im Vorwärtsgang haben wir zu viele Bälle verloren. Insgesamt konnten wir nur wenige Chancen herausspielen. Natürlich hatten wir auch Glück, nicht noch das 0:2 zu kassieren. Da war Halle nahe dran.Sie haben unter dem Strich verdient gewonnen.

Stefan Krämer

Der RWE fiel in der Tabelle dagegen um einen Platz auf Rang 16 zurück. Doch die Konkurrenz punktete, so dass es unten jetzt immer enger wird. Kommende Woche gastiert der FSV Frankfurt in Erfurt.

28.01.2017 \ Profis