Das letzte Heimspiel des Jahres ging auch trotz Unterstützung des vor dem Anpfiff vorgestellten neuen Maskottchens "Sakko" in die Hose. Vorne fehlte es an Durchschlagskraft und hinten verteilte Pechvogel Mario Erb vorzeitige Weihnachtsgeschenke. Rostock unterstrich dagegen seine Abwehrstärke und bleibt auf des Gegners Platz seit Ende Juli unbezwungen.

Der äußere Rahmen passte. Knapp 9000 Zuschauer waren an diesem sonnigen Tag ins Steigerwaldstadion gepilgert. Saisonrekord für den FC Rot-Weiß. Alle Erfurter hofften auf einen Sieg im letzten Heimspiel des Jahres. Ein Sieg, der die Mannschaft auf 25 Punkte gebracht hätte, was mehr als die halbe Miete für den Klassenerhalt gewesen wäre. Am Ende stand das Team jedoch mit leeren Händen da. Entscheidend dafür war nicht zuletzt, dass Kapitän Mario Erb, sonst eine feste und zuverlässige Größe, einen rabenschwarzen Tag erwischte und mit zwei dicken Schnitzern den Gästen die Tore quasi schenkte.

Schon nach fünf Minuten der erste kapitale "Bock". Mario Erb verlor kurz vor dem eigenen Strafraum leichtfertig den Ball gegen Rostocks Kerem Bülbül, der schaltete blitzschnell und bediente den mitgelaufenen Marcel Ziemer. Der traf aus zehn Metern satt und flach zum 0-1 ins rechte Eck. Ein Nackenschlag für die eigentlich schwungvoll gestartete Erfurter Elf. Zwar hatte der RWE auch in der Folge deutlich mehr Ballbesitz, doch der Schock dieses vermeidbaren Gegentores war nicht nur dem Kapitän, sondern der gesamten Mannschaft sichtbar in Kopf und Glieder gefahren. Gegen nun tiefstehende Gäste taten sich die Jungs von Stefan Krämer im Spielaufbau sehr schwer. Heraus kam nur zumeist Geplänkel im Mittelfeld ohne wirkliche Torannäherung. Kurz vor dem Halbzeitpfiff die größte von wenigen Erfurter Chancen. Mikko Sumusalo war am linken Flügel bis zur Grundlinie durchgebrochen und hatte schön ins Zentrum geflankt. Dort fand er Carsten Kammlott, der den Ball mit der Brust zu Liridon Vocaj weiterleitete. Der Neuzugang aus Würzburg zögerte keine Sekunde und scheiterte mit seinem sehenswerten Schuss nur hauchdünn an Rostocks Torwart Marcel Schuhen, der den Ball gerade noch mit den Fingerkuppen über den rechten Torwinkel lenkte (43.).

Mit Wiederbeginn boten die Rostocker Anhänger, die zahlreich und stimmgewaltig angereist waren, eine Pyroshow, die sicher noch ein Nachspiel haben wird. Als der Rauch verzogen war, erkannte man auch Okan Aydin auf dem Spielfeld, der den "Rot-gefährdeten" Samir Benamar ersetzte. Und Aydin hatte gleich den Schlüssel, wie man die Rostocker Abwehr aushebeln konnte. Im Stile von Arien Robben kurvte er von der linken Seite nach innen, hielt aus gut 20 Metern einfach mal drauf und traf ins lange Eck. Der lang ersehnte Ausgleich (51.). Und Rot-Weiß blieb weiter am Drücker, sann auf die Führung. Doch der in einer Art "Sisyphosarbeit" so mühsam erzwungene Ausgleich wurde nur sechs Minuten später erneut und abermals unglücklich von Mario Erb hergeschenkt. Gegen die nur noch sporadisch nach vorne kommenden Gäste von der Küste verlor er bei einem Abwehrversuch die Übersicht, Rostocks Bülbül war zur Stelle und bediente Stephan Andrist, der nur noch ins leere Tor einschieben musste (57.). Der nächste Schock !

Ich kann mich nur bei der Mannschaft entschuldigen. Die Gegentore gehen auf meine Kappe."

Mario Erb

Stefan Krämer "erlöste" Mario daraufhin von diesem Spiel und brachte Theodor Bergmann (60.). Mit der erneuten Führung im Rücken zog sich Rostock noch weiter zurück, rührte hinten Beton an und trieb die Erfurter damit schier zur Verzweiflung. In den Schlussminuten bot sich durch Konter den Gästen zweimal sogar die dicke Möglichkeit zum 1-3, doch Philipp Klewin verhinderte jeweils durch Glanztaten den Einschlag des Balles. In der Nachspielzeit hätte es um ein Haar dann doch noch zu einem Punkt für den FC Rot-Weiß gelangt. Aber auch Rostocks Torwart hat eine große Qualität. Einen wuchtigen Kopfball von Jannis Nikolaou fischte er mit einem Hechtsprung - wie schon gegen Ende des ersten Durchgangs beim Schuss von Vocaj - aus dem Torwinkel.

Wir haben heute gegen eine tiefstehende Mannschaft gespielt. Wir hatten in der ersten Halbzeit größtenteils Spielkontrolle ohne Torchancen. Nach dem 1:1 hatte ich dann ein gutes Gefühl, aber wir haben dann das zweite Tor hergeschenkt. Anschließend haben wir uns in der gegnerischen Hälfte festgesetzt und es weiter probiert, jedoch erneut ohne gefährliche Torchancen. Wir müssen an der Durchschlagskraft arbeiten."

Trainer Stefan Krämer

Kommenden Freitag spielt der RWE in Großaspach. Dort kann man sich die heute verlorenen Punkte noch vor der dann beginnenden Winterpause zurückholen.


10.12.2016 \ Profis