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Mohrens Einwurf
27.11.2011 / Wilfried Mohrens Einwurf: Interessenabwägung

Vorgestern war Neumond. Der soll besondere Auswirkungen haben, offenbar aber keine günstigen um erfolgreich Fussball zu spielen. Der FC Rot-Weiß jedenfalls schien  gegen den CFC in einer merkwürdigen Versunkenheit befangen und war weit weg von jener kunstvollen Darbietung in der Zweiten Halbzeit von Unterhaching. Obwohl Stefan Emmerling in der letzten Woche den zuletzt abgestumpft erscheinenden Vorsatz, auch zu Hause endlich mal wieder gewinnen zu wollen, wieder und wieder geschärft hatte, vermochte die Mannschaft sich abermals daheim nicht mit einem Sieg zu bekränzen.

Da half nicht einmal die choreographisch eindrucksvolle Begrüßung durch eine besonders große Fangemeinde. Der Chemnitzer Trainer durchkreuzte das Rot-Weiße Vorhaben nach einem "Dreier" für den Sprung auf Platz 3, weil er seine "Himmelblauen" so eingestellt hatte, dass eine unserer geringsten Vorzüge, nämlich "das Spiel machen" zu müssen und  dies leider alles andere als gut zu können, abermals schmerzlich zu Tage trat. Da auch die Brechstange sich als wirkungslos erwies, floss die Hoffnung auf einen Heimsieg gegen 21.30 Uhr neuerlich in lauten Seufzern dahin. So sehr wir uns derzeit auch auswärts dekorieren: Die Gunst  in gleichem Maße auch im Steigerwald den eigenen Anhang zu beschenken, kann das Team derzeit nicht erweisen. Heimstärke, im Vorjahr ein großer Faktor beim Punkte  sammeln, ist unsere Sache inzwischen leider nicht mehr. Dennoch müssen wir (noch) nicht lamentieren, denn die Tabelle spiegelt uns keine tiefere Not und wir brauchen unsere Gedanken daher auch nicht auf dem Felde der Trauer grasen zu lassen. Das gleichwohl vereinzelt hörbare Jammern, bei dem auch der Trainer schon in Frage gestellt wurde, findet auf hohem Niveau statt. Nach dem schleppenden Auftakt und einer Phase scheppernden Zwiste im Team, hat sich inzwischen doch schon einiges zum Besseren verändert. So ist u.a. die sukzessive Einbindung des hoffnungsvollsten Nachwuchses in den Kreis der 1. Mannschaft - unter perspektivischem Gesichtspunkt - erfreulich vorangekommen.

Einem speziellen Thema sollte aber in Bälde Achtsamkeit gewidmet werden: Ich nenne es die Baustelle "Personal und Position". Die teils sonderbar anmutenden personellen Rochaden, die da und dort gelegentlich unternommen werden, entspringen schlicht der Tatsache, dass wir an einigen Stellen mit "Fachpersonal" unter- , an anderer Stelle eher überbesetzt sind. So muss sich der eine oder andere Spieler zuweilen - quasi behelfsmäßig - auf einer seinem Wesen nach fremden Position abmühen, wodurch er gleichzeitig gehindert ist, seine eigentliche Stärke für die Mannschaft in Wirkung treten zu lassen. Eine Baustelle,die hohen Verschleiß produziert und Frust befördert. Die Lösung dieses Problems liegt auch in einer sehr sorgfältigen Interessenabwägung.  Das Ergebnis wird in nicht unerheblicher Weise unsere Endplatzierung beeinflussen und nur bei baldiger Abhilfe mag es sich auch erweisen, dass das Team im Grunde doch zu Höherem gemünzt ist.

 

Vergangenen Donnerstag sind in Frankfurt auch vielerlei Interessen abgewogen worden. Am Ende stand ein strenges Urteil des DFB gegen Dynamo Dresden, ja man könnte fast sagen, ein Edikt ist ergangen. Man hat ein regelrechtes Exempel an den Sachsen statuiert. Aber der Verein blutet nur stellvertretend für Leute, die im Umfeld des Pokalspiels in Dortmund, vom herben Reiz ihres Trotzes gelenkt, einen Schritt ins Törichte taten. Was sind das für Leute, die den offenkundigen behördlichen Darstellungen nach an so etwas wie einer Verdunklung des Verstandes zu leiden scheinen ? Sind es nur Fanatiker, die die unklaren Bedürfnisse ihrer Fantasie zu befriedigen trachten und dabei fatalerweise immer nur Sinn in einem ihrer Natur gemäßen Leben finden ? In der Mehrzahl trifft dies wohl zu. Aber darunter waren wohl auch Leute, die auf der Bühne des Sports gegen die Beschaffenheit der Dinge in dieser Gesellschaft ganz allgemein protestierten. Dabei hat ein Funke gereicht, den gesammelten Zunder in ihrem Inneren plötzlich Feuer fangen und es in Dortmund lichterloh brennen zu lassen. Die Gemeinschaft darf die Exzesse natürlich nicht hinnehmen, sonst wird nicht nur der Fussball verkommen. Aber man sollte auch genau hinsehen, was man beklagt, wo die Ursache von diesen oder anderen Auswüchsen wirklich liegt, wen und wie man bestraft. Nicht zuletzt steht die Frage, in welche Rolle die Vereine gedrängt werden, wenn der Verband diese "Fans" pönalisiert und diese dann ihre eigenen Klubs wieder « zu Rachefeldzügen » gegen den DFB oder wen auch immer benutzen. Wo Dialog noch Sinn macht, sollte dieser stets eine Option sein. So halten wir es in der Regel auch beim FC RWE. Aber auch im hiesigen Vereinsumfeld sind einige Problemfälle unterwegs. Ihnen ist es zu « verdanken », dass wir bereits 11.000 Euro Strafzahlungen haben überweisen müssen. Mit diesen Leuten ist schwer zu reden, weil ihre Interessen sich oft in Grenzbereichen bewegen und kaum Spielraum für Konsensualität gegeben ist. Wenn der Verein nun auch den Dialog mit seinen zum (kontrollierten) Pyro-Einsatz bereiten Fans nicht mehr fortführt, vor allem nach den klaren Worten des Bundesinnenministers, dann sollten alle wissen:. Das Thema ist durch, weil wir gebunden sind an die Vorgaben der Polizei und des Verbandes !

 

Wie Fans sich für ihren Verein auch anders einsetzen können, ohne dass Leute um ihre körperliche Unversehrtheit bangen müssen, zeigt in Erfurt die Aktion "Pro-RWE. Die Nachwuchspaten e. V." An zwei Tagen in der Woche stehen hier Mtglieder, treue Anhänger des Vereins, bereit, Nachwuchs mit Migrationshintergrund beim Erlernen oder Verfeinern der deutschen Sprache behilflich zu sein.

 

Im Stadion selbst ist die erfolgreiche Bemühung vieler Fans um die beste Choreographie im Wettbewerb mit anderen Vereinen eine  tolle Sache. So gewann der Erfurter Anhang kürzlich eine Abstimmung zur « besten Choreographie des Monats Oktober » . Das war, wie auch die Begrüßung der beiden Mannschaften vorgestern Abend, ein optischer Genuss, ganz ohne eine Gefahr für die Allgemeinheit. Danke für diesen Support !

 

Bedanken möchte ich mich auch beim Präsidenten des DFB, Dr. Theo Zwanziger. Er hat nicht nur uns als Verein ermunternde Zeilen zur geplanten neuen Arena übermittelt, sondern sich auch an die Landesregierung gewendet und sich dort für die Bemühungen, nicht zuletzt bei der Ministerpräsidentin bedankt. Deren Wirtschaftsminister Matthias Machnig  ist der große Motor in dieser Sache.  Er hat nach Jahren der Stagnation , die Frage  "wer soll das bezahlen", durch einen intelligenten Schachzug , wie einen Gordischen Knoten durchschlagen. Auch Erfurts OBM Andreas Bausewein ist ein erklärter Befürworter des Arena-Projekts, aber er muss am 21.12. noch über eine letzte Hürde. Der Stadtrat der Landeshauptstadt muss noch einmal überzeugt werden. Bei seiner Interessenabwägung sollte er aber immer berücksichtigen, dass Erfurt bei einer ablehnenden Haltung wohl nie wieder eine Chance haben wird eine neue Arena, quasi zum Schnäppchenpreis, zu bekommen. Die Fördergelder die Minister Machnig aufgetan hat und praktisch 3/4 der Kosten abdecken, sind übrigens auch nur für dieses konkrete Projekt bei der EU abrufbar. Es handelt sich also um zweckgebundene Mittel und man kann sie nicht einfach nehmen und in andere, auch nicht in soziale Projekte stecken, wie da und dort in der Bevölkerung aus Unkenntnis gefordert wird. Darauf wollte ich nochmal ausdrücklich hinweisen.  In der Hoffnung, die Parlamentarier  der Landeshauptstadt  werden weise entscheiden und den Menschen mit dem "Ja" für eine neue Arena ein schönes und auch okonomisch nützliches Weihnachtsgeschenk machen.

 

Ihnen allen eine schöne Adventszeit

 

Herzlichst

Ihr

Wilfried Mohren

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