
Morgen, am kürzesten Tag des Jahres, dem sog. Wintersolstitium, wo das Licht am schwächsten und die Hoffnung am größten ist, wird im Erfurter Rathaus eine besondere Weiche gestellt, eine weitreichende Entscheidung getroffen. Die Stadtverordneten stimmen im Rahmen ihrer Beratungen zum Nachtragshaushalt über die neue Arena ab. Dank an alle, die für diese Sache bisher eingestanden sind und schon über einen langen Zeitraum ihrem Wunsch nach einer neuen Spielstätte vielfältigen Ausdruck verliehen haben.
Nun hoffe ich zuversichtlich, dass OB Andreas Bausewein die letzten Zweifler überzeugen kann und die Sache in trockene Tücher bringt. Seiner rhetorischen Kunst bin ich mir sicher, in Bezug auf das Verständnis bei einigen seiner Zuhörer versiert dagegen noch eine gewisse Bedenklichkeit in mir. Allerdings sind die Umstände so, dass wer auch immer gegen die Arena stimmt, er wirklich sehr gute Gründe ins Feld führen muss, um die Sache noch zu gefährden. Denn nie mehr wird ein solches Projekt für die Landeshauptstadt finanziell so günstig möglich sein. Noch stehen die Fördermittel durch Wirtschaftsminister Machnig auf Abruf bereit ! Stimmen die Räte mehrheitlich zu, dann wäre das ein wirklich schönes Weihnachtsgeschenk für alle Erfurter. Dann könnte das alte Jahr nicht schöner ausklingen und das neue Jahr nicht besser beginnen. Zumal da gleich schon am Anfang ein besonderes Douceur auf uns alle wartet: Bayern München. Das Spiel ist inzwischen ausverkauft und die Mitarbeiter der Geschäftsstelle ausgepumpt. Allen voran der "Ober-Ticketverkäufer" Michael Oehler. Die letzten Tage waren "hammerhart" für ihn. Danke dafür, dass er seiner Rolle so tapfer zugesprochen hat!
Vor Knapp zwei Wochen hat die Mitgliederversammlung eine vereinsinterne Weiche gestellt. Das Präsidium wurde ohne Gegenstimme entlastet und der neu gewählte Aufsichtsrat hat Rolf Rombach und Detlef Goss kurz darauf für eine weitere Amtszeit bestätigt. Ein Segen, dass sich der FC Rot-Weiß ihrer Unterstützung somit abermals für 3 Jahre versichern darf, denn ihre Vereinspolitik hat auf mich immer einen wohlerwogenen Eindruck gemacht. Derzeit machen sie den Klub in keiner leichten wirtschaftlichen Lage, auch durch die Beauftragung von IMG "zukunftsfest". Und das ganz ohne Gepränge und Ostentation, so wie es ihrem Wesen entspricht. Beide zeichnen sich eben durch mancherlei Vorzüge und Eigenheiten vor vielen Mitmenschen aus. Im Klub herrscht dank ihrer Führung eine angenehme, vom Präsidenten kontrollierte Temperatur.
Das diese Form kluger und umsichtiger Leitung durch einige Chaoten im Umfeld immer wieder beschädigt wird, ist ein unfassbarer Vorgang. So wie am vergangenen Samstag, als trotz vorheriger Bitte durch den Verein, trotz der sensiblen Situation um den bevorstehenden Arena-Entscheid und trotz der Tatsache, dass der DFB uns ganz oben auf seiner Liste führt, in Jena wieder einige Auswürflinge über die Stränge schlugen. Dass dabei nach Polizeiangaben sogar zwei Personen durch Pyrotechnik verletzt wurden, macht die Sache besonders ernst. Rot-Weiß Erfurt zählt diese Leute, die offenbar in ihrem Wesen von groben Begierden gelenkt werden, nicht zu seinen Anhängern! Mit dem Kauf einer Eintrittskarte wird das Recht auf solch ein Betragen schon gar nicht eingeräumt.
Dank dieser Kretins gab es am Samstag nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch auf den Rängen eine Niederlage, deren Auswirkung uns bald auf den Tisch flattern wird.
Angesichts dessen soll und darf der Sport aber nicht in den Hintergrund treten. Und so will ich zur "Weihnachtspause" auch darüber ein paar Worte verlieren. Als jemand, der bekanntlich eine deutliche aber keineswegs übelwollende Vorstellung von unseren Darbietungen hat und genau deshalb zwischen diesen und den Augen der Leser dieser Kolumne nie ein beschönigendes Prisma zu schieben gedenkt.
Zunächst zum Nachwuchs. Hier bietet die U23, die sich in der Spitzengruppe der Oberliga festgesetzt hat, ein ordentliches Bild. Ebenso macht die U19 viel Freude. Als Aufsteiger in die Bundesliga haben sie sich bis zum Weihnachtsfest auf den 4. Rang vorgearbeitet. Auch die anderen Mannschaften, bis zu den Kleinsten, "sind im Soll", wie Christian Preußer es nicht zuletzt schon auf der MGV vorgestellt hat. Einen Nationalspieler haben wir nach langer Zeit jetzt auch wieder. Johannes Bergmann (Jahrgang 94) debutierte vor ein paar Tagen in Christian Zieges U 18-Nationalmannschaft, spielte beim Vierländerturnier in Israel gegen Japan und Portugal mit.
Und was ist mit unseren Profis? Nun, um hinten anzufangen: Die Niederlage in Jena haben wir mit wenig Vergnügen, aber als verdient anzuerkennen. Sie hätte sogar deutlich höher ausfallen können. Überhaupt war das Jahresfinale ziemlich mau, bezieht man das Heimspiel gegen Babelsberg in die Betrachtungen mit ein. Offenbar hatten einige unserer Spieler ihre oftmals gezeigten Fähigkeiten so kurz vor den Festtagen bereits stillgelegt.
Dafür waren die Wochen davor, wenn auch nicht immer gut (vor allem nicht daheim), so doch in einer Serie von sieben ungeschlagenen Spielen (seit dem 15. Oktober in Saarbrücken - wie könnte es anders sein !) immerhin erfolgreich. Alles in allem sind wir jedoch seit dem ersten Spieltag eine Sphinx und boten eine Achterbahnfahrt, auf der wir zwischen Platz 1 und Platz 15 an diesen 21 Spieltagen herumgeflippert sind. Von den Zahlen her sind wir zum einen schlechter, zum anderen umständehalber besser als in der letzten Saison. Damals lagen wir nach 21 Runden zwei Punkte und drei Plätze günstiger im Rennen. Allerdings war auch der Abstand zu Rang 3 deutlich größer als heute (damals acht, heute nur drei Punkte).
Für den weiteren Saisonverlauf besitzen wir also immer noch alle Optionen, aber um sie im Frühjahr einlösen zu können, muss die Mannschaft über einen längeren Zeitraum zu Linie und Leidenschaft, sowie Konstanz und Konzentration finden. Wir präsentieren uns nämlich immer noch zu selten als Einheit, sondern mehr als Ansammlung von Individualisten, mit unterschiedlich ausgeprägten Begabungen und Vorstellungen von Disziplin und Spielverständnis. Auf einigen Positionen scheinen mir zudem die Alternativen zu fehlen. Auch die anfängliche Reibung im Team hat dafür gesorgt, dass unser Spiel oftmals nicht als anspruchsvolle Unterhaltung mit einem besseren Ergebnis durchgehen konnte. So haben wir in der Hinrunde praktisch alle Grade und Verschiedenheiten erlebt, derer die Mannschaft fähig ist. Von grausam (wie in Bielefeld) über schlampig geführt (in Babelsberg und Jena oder gegen Wiesbaden und Burghausen), aber auch cool und kaltschnäuzig ( in Saarbrücken, Regensburg und Oberhausen) bis erfolgreich-effektiv (wie z.B. in Heidenheim) war alles dabei. Von Kontinuität sind wir daher noch weit entfernt.
Am Ende sind es ja oft auch Kleinigkeiten, die den großen Unterschied in einer "engen" Liga ausmachen und in denen sich Sieg oder Niederlage entscheidet. Und auch da fehlt es uns manchmal doch an einer Figur, die in den entscheidenden Momenten in der Lage ist, den vorherigen Fehler eines flüchtigeren Talents aus den eigenen Reihen, mit einer einzigen genialen Aktion auszubügeln und das Spiel für uns zu entscheiden. Ein Tipp für Weihnachten: Das Buch von Cornelia Müller und Bernhard Lippert "Spiele werden im Kopf entschieden".
So nehmen nicht nur die Fans einige Fragen mit in die Feiertage. Etwa: Warum konnten wir einen günstigen Spielstand so selten halten. Oder was macht uns - per se- daheim gegen tiefstehende Gegner offenbar so hilflos? Die Mannschaft wird darauf antworten liefern müssen und sicher auch wollen, denn die Jungs sind schon recht anspruchsvoll. Ebenso wie unser Trainer, der an den Feiertagen die Weichenstellung für die weiteren Spiele ins Auge fasst. Er ist durchaus kritisch im Umgang mit den eigenen Leistungen und klug genug die betrüblichen Mängel da und dort zu beheben. Manch ein schönes Tor, oder eine glückliche Fügung, so weiß auch er, wirkte bis jetzt - bei Lichte betrachtet - wie Schminke, hinter der Probleme grundsätzlicher Art zurücktraten, ohne dass sie bisher als gelöst anzusehen sind. Im Herbst hatte er schon einmal ein paar Prinzipien überdacht und dem schon leicht bergab kreisenden Rade erfolgreich in die Speichen gegriffen. Danach lief es dann besser. Ich vertraue darauf, dass er die Mannschaft nach der Pause mit manch neuer Erkenntnis und uns dadurch mit hübschem Genuss wieder richtig frohstimmen kann.
Derzeit braucht ja auch noch niemand besorgt zu sein. Denn wir sind noch im "grünen" Bereich der beiden ausgegebenen Saisonziele: Landespokalsieg und einstelliger Tabellenplatz in der Liga ! Letzteres impliziert zwar theoretisch auch den Aufstieg, aber dazu wird es wohl nicht langen. Auch wenn es schade ist, denn ich halte es in diesem Jahr geradezu für einfach aufzusteigen. Das war im letzten Jahr anders und wird im kommenden Jahr wieder schwerer werden. Aber mir ist aus noch keiner Liga ein späterer Aufsteiger bekannt, der zuvor über vier Monate hinweg kein Spiel zu Hause gewinnen konnte. Also, selbst wenn der prinzipielle Wunsch in uns allen keimt und die Möglichkeiten in unserem Team auch theoretisch vor sich hin gären sollten, lassen wir vorerst ab von dieser Vorstellung. Einige sind ja an der Hitze dieser Gedanken im Frühjahr schon einmal dahingeschmolzen, bis ihre Träume schließlich ganz zerrannen und wir "zur dümmsten Mannschaft Deutschlands" avancierten, wie einige abgewanderte Spieler es (treffend?!) formulierten.
Meine sportliche Zwischenbilanz lautet daher: Es gab bis hierher ein alles in allem ordentliches Abschneiden, was uns dem kommenden DFB-Pokal und einer Platzierung im mittleren einstelligen Bereich der Liga nahe gebracht hat, ohne dass ich darin aber die Gewähr für die Erfüllung weit kühnerer Träume sehen würde. Und da der Aufstieg noch nicht zwingend in dieser Saison unser Ziel ist, können wir im Grunde sehr entspannt Weihnachten feiern. Vor allem "Sakko" Schröder, der das Fest schon zum 50. Mal in Rot-Weiß erlebt. Herzlichen Glückwunsch zu deiner unglaublichen Vereinstreue !
Ihnen allen frohe Festtage und ein glückliches Jahr 2012
Ihr
Wilfried Mohren




































