FC Rot-Weiß Erfurt e.V.
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Letztes Spiel 05.05.2012 - 13:30 Nächstes Spiel
   
FC Rot-Weiß Erfurt
4 : 0 gegen
Rot-Weiß Oberhausen
Mohrens Einwurf
30.01.2012 / Wilfried Mohrens Einwurf: Zwischen sportlicher Freude und politischem Zwist

Man soll die Fähigkeit besitzen, sich einer gelungenen Leistung auch einmal lobend ganz hinzugeben. In der Hoffnung, sie bleibt kein Einzelfall, will ich das heute gerne tun, da vorgestern in frostiger Kälte Anlass dazu geboten wurde. Denn gegen den VfB Stuttgart erlebten wir wohl das bisher beste Heimspiel der Saison. Auch wenn man den Umfang der Bemühungen in der 2. Halbzeit als etwas vermindert bezeichnen darf, fühlte ich mich schon allein des berauschenden ersten Durchgangs wegen höchst angenehm frappiert. Gute Abstimmung in allen Mannschaftsteilen, sichere Ballführung, prima Stellungsspiel, schnelle Umschaltaktionen. Ja, unsere Jungs haben (endlich) Zeichen einer höheren Berufung erkennen lassen.

Im Grunde kann man nach diesem Spiel auch kaum einen einzelnen Spieler dezidiert herausheben, ohne in den Verdacht zu geraten, andere dadurch zurückzusetzen, denn nahezu alle wurden vom großen Licht bestrahlt. Aber punktuell will ich doch meiner Feder ein wenig freien Lauf lassen. Wer  dabei "vergessen" wurde, braucht sich aber deshalb nicht zu grämen.

Zunächst  ist mir das Wirken von Marcel Reichwein erinnerlich, den ich, da die Wahrheit es diesmal erlaubt, endlich auch einmal im glänzendsten Licht vorführen darf. Bei seinen früheren Bemühungen das Runde in das Eckige zu befördern, verlor er ja nie die schwierige Lösung aus dem Auge. Vorgestern jedoch grübelte er nicht so viel wie sonst und ornamentierte mit seinen Saisontoren Nr. 7 und 8 eine eindrucksvolle 90minütige Gesamtleistung. "Bella Figura"  machte neben ihm aber auch Smail Morabit, der uns nicht nur durch sein Führungstor beglückte, sondern auch wieder durch das eine oder andere verwegene Solo in Erstaunen versetzte. Auf ein ähnlich flinkes Genie können Danso Weidlich und auch Phil Ofosu Ayeh vertrauen. Das Talent des Letzteren ist zwar noch immer in der Knospe, aber er hat zweifelsfrei damit begonnen sich zum Schmetterling zu verpuppen. Die drei Jungs haben etwas Gewinnendes, Frisches, das im Dienst der Mannschaft gebraucht wird. Sie können unser Spiel schnell machen. Eine Kunst, die auch Oli Caillas beherrscht. Er hat zwar die Neigung gelegentlich von der üblichen Ordnung etwas abzuweichen, aber das gehört zu seinem Wesen. Er ist als Führungsspieler wichtig und war nach Ablauf seiner Sperre endlich auch wieder der ungeliebten Aufgabe in der Verteidigung ledig. Sensationell sein direktes, zentimetergenaues Zuspiel in der 1. Halbzeit auf Reichwein. Hinter ihm stand nun Marco Engelhardt. Auch für ihn ist das nicht die ideale Position, aber sie wurde vom Heimkehrer brillant ausgeführt. Er tastet sich nach langer Pause langsam wieder ran und wir werden noch viel Freude an ihm haben. Als ehemaliger Nationalspieler kommt er dabei aber keineswegs mit der Attitüde daher : "Ich Zaubermeister, ihr Adepten und Famulanten". Dabei darf er beizeiten seinen Führungsanspruch durchaus stellen. Auch die übrigen Spieler haben ihre Sache sehr ordentlich gemacht. Dazu zählen  Nils Pfingsten-Reddig ebenso wie Bernd Rauw, der sich im Zentrum wieder sichtlich wohler als auf der rechten Abwehrseite fühlte. Wie lange er dort wirken kann, hängt u.a. mit davon ab, was aus einem der bislang besten Spieler der Saison wird. Joan Oumari fehlte nämlich vorgestern, weil er zuvor ein Streitgespräch mit dem Trainer hatte, was diesen bewog, auf den Ex-Babelsberger am Samstag zu verzichten. Inwiefern diese Maßnahme erreicht, was Milde anscheinend nicht bewirken konnte, bleibt eine spannende Frage der kommenden Woche.

 

Abseits des Kampfes um Punkte in der Liga wird zurzeit noch ein anderes Spiel gespielt. Dabei gewinnt man zunehmend den Eindruck, dass es wohl kein Zufall gewesen sein muss, dass der Gartenzwerg ausgerechnet in Thüringen erfunden wurde. Es geht nämlich gerade wieder ( zum wievielten Male eigentlich schon ?) um die Frage, ob das Steigerwaldstadion (und daneben auch das Stadion in Jena) nun zur ARENA werden soll, oder nicht. Im Grunde schien das Thema durch zu sein, weil die wesentlich über das Wirtschaftsministerium abgesicherte und geförderte Baumaßnahme auf breite Zustimmung trifft und die kostengünstigste Variante darstellt. Klar, denn wer will schon noch seinen alten Trabant mit neuen Reifen bestücken, wenn er für den Preis der Pneus und einem großzügigen externen Zuschuss einen Mercedes kaufen kann. Wenn man so will, hält  Wirtschaftsminister Machnig aber gerade eine Traumlösung von dieser Art für die Landeshauptstadt und das Umland bereit. So weit, so gut  ! 

Nun aber bricht bei einigen sach- und verfahrensunkundigen Menschen, wieder die Gartenzwergmentalität durch, die wiederum eine galoppierende Inflation des Geschwätztes beflügelt. Mit Fragen, die in der Substanz keine sind, wird die Öffentlichkeit traktiert. "Feuer sprühe, der Kessel glühe" singen ja schon die drei Hexen in Shakespares Macbeth.  Erfurt könnte mit dieser Nebelkerzenpolitik gar um Unwiederbringliches bestohlen werden.

Ich habe mich, als jemand der nicht in Erfurt wohnt, redlich bemüht der Quelle dieser hartnäckigen Torpedierung der offenbar besten aller möglichen Lösungen auf den Grund zu kommen. Dabei hörte ich in der Stadt nie etwas anderes als den lauten Verdacht parteipolitischen Kalküls derer, die das "Thema Steigerwaldstadion" selbst lange vernachlässigt oder schlichtweg zu spät für sich entdeckt haben. Nun, kurz vor den Kommunalwahlen, so erfahre ich sodann, würden sich angeblich einige Herrschaften im Kampf um das (unerreichbare ?!) Oberbürgermeisteramt gerne  noch mal in Stellung bringen (lassen) wollen. Dabei, so erzählt man mir weiter, vergessen einige der lautesten Bedenkenträger, was alles auf ihrem Deckel steht. Und dann erzählen mir die Leute auf der Straße Geschichten von der Riethsporthalle und diversen Spaßbädern. Und vor allem davon, wer das alles und warum  unbedingt wollte, was es kostete und was es gebracht hat.

Ich hoffe sehr, dass die Vernunft, die hier und da zu entgleiten droht, am Ende doch noch zu bemeistern sein wird. Der FC Rot-Weiß Erfurt will jedenfalls in dieser Frage, wenn der verbale Pulverdampf verzogen ist, keine  inferiore Rolle eingenommen haben. Von der zukunftsbeschneidenden Ruinenromantik an der Arnstädter Straße hat man hier jedenfalls die Nase voll und steht klar an der Seite der Befürworter des Stadions, allen voran Minister Matthias Machnig und OB Andreas Bausewein.

 

Eine gute Woche wünscht Ihnen

 

Wilfried Mohren

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