Der FC Rot-Weiß Erfurt ist in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Champions-League-Kandidat Hoffenheim vor knapp 8200 Zuschauern knapp ausgeschieden. Doch konnte die Mannschaft durch eine Energieleistung Werbung für die Meisterschaft betreiben und die Herzen der Zuschauer gewinnen, die sie mit stehenden Ovationen nach dem Abpfiff feierte.

Kurz vor Schluss hätte die Geschichte dieses Spiels noch eine Wendung nehmen können. Da tauchte nämlich Erfurts Mittelfeldspieler Biankadi im Hoffenheimer Strafraum auf, schoss den Ball auf das kurze Eck, doch TSG-Keeper Kobel verhinderte mit einer tollen Parade den Ausgleich, der wohl die Verlängerung bedeutet hätte. Schade, es sollte nicht sein. Des Pokals eigene Gesetze entfalteten sich also an diesem Samstagabend leider nicht.

Doch der Reihe nach. Hoffenheim begann brutal stark und wirbelte die Erfurter durch schnelle Ballzirkulationen gehörig durcheinander. Doch der Underdog, fing sich schnell und stellte sich bald auf das Tempo des Gegners ein. Mit einem 3-5-2 stemmte man sich den Gästen entgegen und schaffte es tatsächlich, dass den Kraichgauern erst nach einer Viertelstunde der erste Torschuss gelang. Auch die weiteren Bemühungen der Gäste zum Torerfolg zu kommen, wurden geschmeidig abgefedert. Torjäger und Nationalspieler Wagner war sogar gänzlich abgemeldet. Rot-Weiß kam zwar selbst kaum zu offensiven Aktionen, doch ein paar Nadelstiche vermochten sie schon zu setzen. Zur Halbzeit ein torloses Remis...da staunten einige Zuschauer nicht schlecht, spendeten beim Abgang der Spieler reichlich Applaus...und hofften auf die 2. Halbzeit.

Die begann wieder mit einem Sturmwirbel der 1899er, an dessen vorläufigem Ende das 0-1 stand, das der später zum "Man of the Match" gewählte Amiri aus spitzem Winkel erzielte (51.). Wer jedoch gedacht hatte, jetzt würde Erfurt den Laden voll bekommen, der sah sich getäuscht. Bei Rot-Weiß begann sich nun vielmehr auch nach vorne hin was zu regen. Eine der kuriosesten Szenen sahen die Zuschauer inder 73. Minute. Am Anfang dieser Spielminute gab es in 20 Meter Torentfernung, halbrechte Position, einen Freistoß für Erfurt. Den Ball knallte Benamar in die gegnerische Mauer. Sofort schwärmten vier Hoffenheimer zu einem pfeilschnellen Konter gegen eine entblößte Erfurter Abwehr aus. Klewin stand dem anstürmenden Quartett alleine entgegen, doch von hinten brauste wieder Benamar heran und klärte alleine gegen vier zu zögerliche, sich nicht einig werdende Hoffenheimer (!). Benamar vorne, Benamar hinten: Sinnbild der heutigen Einsatzbereitschaft aller Erfurter Spieler! In der Schlussphase wurden die Jungs von Steffan Krämer dann sogar richtig frech, gingen unendlich weite Wege und verlangtem dem Gegner alles ab. Trainer Krämer brachte sogar mit Bieber für Neuhold noch einen Angreifer für einen Abwehrspieler um anzuzeigen: Wir setzen alles auf eine Karte ! Als dann Biankadi, der ein überragendes Spiel machte, jedoch die zu Beginn erwähnte Chance nicht veredeln konnte, war der Traum von einem Wunder kurze Zeit später ausgeträumt. Aber alle hatten klasse gekämpft und alles rausgehauen was sie drin hatten. Und das war nicht wenig. Bis zum Schlusspfiff hielten sie konditionell nämlich mit dem Bundesligisten mit.

Großes Kompliment an meine Mannschaft. Wir haben mit viel Herz verteidigt. Die Laufarbeit und Disziplin haben gestimmt. Wir wollten das Spiel zur Ruhe und zum Stehen bringen. Das war unser Plan. In den letzten Minuten sind wir volles Risiko gegangen."

Stefan Krämer , Trainer Rot-Weiß

Es war der klassische Verlauf eines Pokalspiels. Für meine Mannschaft kam dieses Spiel nicht gerade zu einem optimalen Zeitpunkt vor so einem wichtigen internationalen Spiel, wie gegen Liverpool. Großes Lob an Erfurt. Nach dem Rückstand haben sie intelligent gespielt und nicht gleich alles aufgemacht. Erfurt war unangenehm. Wir waren trotzdem der verdiente Sieger."

Julian Nagelsmann, Trainer Hoffenheim

Nun wäre es schön, wenn die Mannschaft eine so konzentrierte und geschlossen leidenschaftliche Leistung wie heute abend in der kommenden Woche gegen Tabellenführer Paderborn abermals anbieten und den ersten Saisonsieg landen könnte.

Statistik

FC Rot-Weiß Erfurt

Klewin - Menz, Möckel, Neuhold (79. Bieber), Odak - Dabanli, Ludwig (76. Kurz) - Benamar, Biankadi - Kammlott, Huth (61. Razeek)

1899 Hoffenheim

Kobel - Nordtveit, Vogt, Bicakcic -Toljan, Polanski, Schulz - Amiri (79. Geiger), Demirbay (56. Gnabry) - Wagner, Kramaric (76. Uth)

Zuschauer

8.144

Tor: Amiri 0-1 (51.)

12.08.2017 \ Profis