Rot-Weiß Erfurt hat am Abend bei den heimstarken Regensburgen in einer hinten raus unglaublich spannenden Begegnung, wenn auch am Ende mit etwas Glück, verdient mit 1-0 gewonnen. Carsten Kammlott erzielte den Treffer des Tages. Ein „Monstertor“ wieder mal der Marke „Tor des Jahres“, wie nur er es schießen kann. Die Mannschaft setzt sich damit ins Mittelfeld ab.

Die gut 5000 Zuschauer ahnten eingangs noch nicht, wie dramatisch das Spiel sich entwickeln sollte, denn im ersten Durchgang sahen sie noch zwei sicherlich sehr bemühte Mannschaften, die zwar erfolgreich im Gegenpressing operierten, aber beide Abwehrreihen standen gut und ließen wenig zu. Gleichwohl gab es einige Aufreger. Für den größten auf Erfurter Seite, bei der nahezu die gleiche Elf wie gegen Chemnitz auflief, sorgte Carsten Kammlott, der nach einem wundervollen Steilpass von Jannis Nikolaou den Fehler eines Regensburger Abwehrspielers nutzte und alleine auf das Regensburger Tor zusteuerte. Torwart Pentke stürmte aus seinem Kasten und Kammlott hatte nicht die Nerven den Ball an ihm vorbei im Tor unterzubringen (24.).Doch auch der Jahn zeigte sich. Luka Odak hatte nach einer Rechtsflanke gegen den heranstürmenden Marco Grüttner in höchster Not schon in der Anfangsphase klären müssen (5.) und der quirlige Außenspieler Thommy versuchte es mit einem spektakulären Fallrückzieher, der einen Meter am Erfurter Tor vorbeiflog (38.).

Beide Mannschaften in diesem ersten Abschnitt unter dem Strich nicht spektakulär, aber mit viel Engagement, großer Disziplin und... auf Augenhöhe.

Nach dem Seitenwechsel übernahm Erfurt aber das Kommando. Die Mannschaft setze sich vom Anpfiff weg in der Hälfte der Regensburger fest, war unglaublich viel in Bewegung und kämpfe um jeden Meter. Ein Kopfball von Christopher Bieber, der heute einzige Spitze spielte, ging knapp links am Tor vorbei (53.). Dann die 62. Minute, der Moment in dem Carsten Kammlott wieder Genialität versprühte. Eine Rechtsflanke von Luka Odak nahm er in zentraler Position an der Strafraumgrenze und mit dem Rücken zum gegnerischen Tor stehend mit der Brust an, drehte sich dabei schon ein, und nagelte den abtropfenden Ball in den linken oberen Torwinkel. Ein sagenhaftes Tor brachte die Führung. Der Jahn erwachte danach aus seiner Lethargie und hatte nur zwei Minuten später durch Grüttner die ganz große Ausgleichschance, doch Philipp Klewin verhinderte mit einer fabelhaften Parade den Treffer (64.). Daniel Brückner kam kurz darauf für Samir Benamar und Rot-Weiß fightete gegen den Aufsteiger zurück. Regensburgs Torwart Philipp Pentke musste in kurzer Folge sowohl gegen Kammlott, der nach seinem Traumtor wie von einer Zentnerlast befreit wirkte, als auch gegen Sebastian Tyrala sein ganzes Können aufbieten (79./80.). Damit brach eine wahnsinnig spannende Schlussphase an, in der Rot-Weiß um ein Haar den Dreier noch aus der Hand gegeben hätte, als der Schiedsrichter nach einem Foulspiel hart an der Strafraumlinie in der 88.Minute auf Elfmeter für den Jahn erkannte. Aber Geipel setzte den Ball nervenschwach an den Pfosten. Doch die Oberpfälzer blieben am Drücker. Das Geschehen spielte sich nur noch im und um den Erfurter Strafraum ab. Der Jahn schnürte den RWE komplett ein. Klewin wurde nun zum Turm in der Schlacht und behielt auch in den brenzligsten Situationen die Übersicht. Draußen verlor Trainer Stefan Krämer bei dieser atemlosen Spannung nach Ansicht des Schiedsrichters die Nerven und wurde wegen Meckerns auf die Tribüne geschickt. In der Nachspielzeit dann doch noch mal Erfurt gegen aufgerückte und hinten entblößte Gastgeber. Kammlott und Tyrala hatten jeweils das 0-2 auf dem Fuß. Aber obwohl sie nicht trafen, reichte es am Ende zum Sieg. Einem Sieg der Geschlossenheit, des Einsatzwillens, des leidenschaftlichen Kampfes, der den Glauben an die eigene Stärke zurückbringen sollte. Dieser Glaube wird schon in der kommenden Woche beim Heimspiel gegen Rostock auf eine ernsthafte Probe gestellt werden. Für heute sagen alle Rot-Weißen: „Danke Jungs, das habt ihr richtig gut hinbekommen“ !

Das haben wir richtig gut hinbekommen. Alle standen für einander ein“.

Philipp Klewin

In der ersten Halbzeit habe ich das Geschenk nicht angenommen, dann aber die zweite Chance genutzt“.

Carsten Kammlott

02.12.2016 \ Profis