Auf diesen Tag haben wir lange gewartet

Rot-Weiß Erfurt spielt am Samstag im DFB-Pokal gegen die TSG Hoffenheim

Acht lange Jahre ist es her, dass der FC Rot-Weiß Erfurt zuletzt auf der Bühne des DFB-Pokals spielte. Die Basis dafür war wenige Wochen vorher durch einen spektakulären 3-2 Endspielerfolg im TFV-Pokal gegen Carl Zeiss Jena gelegt worden. Seinerzeit, am 2. August 2009, empfing die damalige Rot-Weiße Mannschaft in der 1.Hauptrunde des DFB-Pokals den Zweitligisten MSV Duisburg im Steigerwaldstadion. Sie verlor am Ende vor rund 7000 Zuschauern mit 1-2. Im Siegfalle hätte anschließend Borussia Mönchengladbach gewartet, gegen die die Meidericher Zebras übrigens auch gewannen (1-0), ehe sie gegen den FC Augsburg ausschieden.

Nun also, nach langen Jahren der Abstinenz, ist der RWE endlich auf die Bühne DFB-Pokal zurückgekehrt. Am Samstag empfängt unsere Mannschaft das (!)Team der vergangenen Spielzeit: Die TSG Hoffenheim. Der Vierte der letztjährigen Bundesliga-Saison ist ein verdammt schwerer Gegner. Auch wenn die Jungs von Trainer Julian Nagelsmann noch kein Pflichtspiel bestritten haben, sind sie in Erfurt haushoher Favorit. Die Chance, die wir vielleicht nicht haben und dennoch nutzen wollen: Nur drei Tage nach dem Pokalspiel in Erfurt muss die TSG im ersten Champions-League-Quali-Spiel gegen den FC Liverpool (!) mit Jürgen Klopp ran (Dienstag, den 15.08.17 um 20.45 Uhr). Da kann man im nationalen Cup-Wettbewerb vielleicht nicht alles riskieren. Je länger der FC Rot-Weiß die Partie offen halten kann und die Hoffenheimer in einen nervlichen und physischen Abnutzungskampf zwingt, je höher steigen die Chancen des Drittligisten auf eine Sensation. Wie ernst die Hoffenheimer die Aufgabe nehmen, zeigt sich daran, dass sie ihren Top-Stürmer, den Nationalspieler Sandro Wagner, nach neuesten Meldungen doch mit in die Blumenstadt mitnehmen und wohl auch aufbieten wollen. Wagner verletzte sich zwar am letzten Wochenende in einem Test gegen den FC Bologna am Sprunggelenk, soll aber - trotz Liverpool - in Erfurt nicht nur auf der Bank sitzen. Wagner wäre übrigens der einzige Spieler im Kader beider Mannschaften, der am 02.08.2009 schon dabei war. Seinerzeit trug er nämlich den Dress des MSV Duisburg. Aber ob mit oder ohne Wagner: Es bedarf auf unserer Seite auch so eines ungeheueren Aufwandes gegen die ausgezeichnete Mannschaft aus dem Kraichgau.

"Wir haben viel von Ihren letzten Auftritten gesehen und man muss sagen, dass die TSG einfach eine großartige Mannschaft ist", sagte unser Trainer Stefan Krämer heute auf der Pressekonferenz. Weiter führte er dazu aus: "Sie spielen ein 5-1-2-2 gegen den Ball und 3-3-2-2 nach vorne. Aber was viel eindrucksvoller ist, sind die formationsübergreifenden Prinzipien ihres Spiels. Die Bewegung zwischen den Linien, das Scannen jeder neuen Spielsituation, das saubere und harte Passspiel, um nur einige Punkte anzusprechen. Wie geht man damit um? Nun, wir müssen ohne Angst spielen. Die Freude ein solches Spiel spielen zu dürfen muss unser Motor sein. Der Wunsch sich messen zu dürfen mit so einer großartigen Mannschaft muss und wird sehr ausgeprägt sein". Die Chancen auf ein Weiterkommen sieht unser Trainer realistisch bei vielleicht 20%. Aber auch Krämer spricht vom Pokal und seinen eigenen Gesetzen. Was das für Gesetze sind? Krämer: "Ich sag es mal so: In diesen Spielen können zuweilen Dinge passieren, die nicht rational sind".

Eine Einsatzchance winkt Elias Huth, der sich zuletzt empfehlen konnte. Auch Lion Lauberbach, der das 1-0 gegen Borussia Dortmund in so großartiger Manier erzielte wird, nach Worten des Trainers, zum Aufgebot gehören. In der Startelf dürfte auch wieder Merveille Biankadi stehen. Er ist sicher, dass die Mannschaft alles geben wird, um dieses "Bonusspiel", wie er es nennt, offen zu halten. Sogar bis zu einem Elfmeterschießen? Trainiert wurde das in jedem Falle, auch wenn im konkreten Falle natürlich eine andere Drucksituation vorliegt. Biankadi hat übrigens mit Elversberg schon gegen Augsburg im DFB-Pokal gespielt. "Hat Spass gemacht und wir sind nur knapp gescheitert", lächelt er.

Sorgen bereitet dem RWE-Trainer noch Daniel Brückner. Gestern hat er das Training nach seiner Sprunggelenksverletzung vom vergangenen Freitag abbrechen müssen. Trotzdem hofft Stefan Krämer weiterhin, dass er noch ins Aufgebot rutschen kann. Hinter den Kulissen arbeitet die medizinische Abteilung jedenfalls fieberhaft daran.

Nach dem schönen, wenn auch bedeutungslosen Spiel gegen Borussia Dortmund, in dem sich vor knapp 15000 Zuschauern die zweite Garde der Rot-Weißen achtbar aus der Affäre zog und Werbung für das DFB-Pokalspiel betrieb, rechnen wir auch gegen die TSG 1899 mit einer großen Kulisse. Aktuell deutet viel auf 8500-9000 Zuschauer hin. Stehen unsere Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute hinter Stefan Krämers Mannschaft, dann schmälert das die Chancen auf eine Sensation sicher nicht. Im Erfogsfall würde dies in Fußball-Deutschland gewiss mit Erstaunen zur Kenntnis genommen.

Kurios: In der Gesamtbilanz zwischen beiden Teams hat der RWE bei bisher 6 Spielen die Nase vorn. Alle Vergleiche fanden aber in der ersten Dekade dieses Jahrtausends statt und alle in der Regionalliga Süd. Danach stehen 3 Siege für Rot-Weiß, 2 Remis und eine Niederlage zu Buche.

Die Begegnung wird nur verschlüsselt von SKY live und in voller Länge übertragen. MDR-aktuell ist mit Radioeinblendungen ebenfalls live dabei.

10.08.2017 \ Profis