Der FC Rot-Weiß Erfurt hat in buchstäblich letzter Sekunde den Heimsieg gegen den Halleschen FC verpasst.

Versteinerte Mienen gab es nach Schlusspfiff unter den 6147 Zuschauern im Steigerwaldstadion. Verantwortlich dafür war der Kopfball des 19-jährigen Torhüters Tom Müller. Aber der Reihe nach. Nach vier Niederlagen in der Liga hatte Trainer David Bergner sein Team bei seinem Heimdebüt auf zwei Positionen verändert, im Vergleich zur Vorwoche. Der Rot-Weiß-Coach begegnete der vor dem Spieltag schwächsten Defensive der Liga mit reichlich Offensivgeist. Gleich drei Angreifer schickte der 43-Jährige aufs Feld. Neben Elias Huth und Lion Lauberbach, die ebenfalls letzte Woche gegen Fortuna Köln in der Startformation standen, kehrte auch der zuletzt privat verhinderte Carsten Kammlott zurück ins Team. Zudem spielte Daniel Brückner von Beginn an. Ahmed Waseem Razeek und Florian Neuhold nahmen vorerst auf der Bank Platz. Und die offensive Ausrichtung sollte sich frühzeitig bezahlt machen. Als belebendes Element im Spiel der Erfurter sorgte Kammlott immer wieder für große Probleme in der Hallenser Hintermannschaft.

Starke erste Halbzeit mit Führung belohnt

Die Elf von David Bergner lief den HFC früh an, versuchte den Spielaufbau der Hallenser bereits weit in deren Hälfte zu stören und zeigte sich dabei aggressiv im Zweikampf. Laufintensiv und einsatzfreudig eroberte sich der RWE in der ersten Halbzeit deutliche Feldvorteile. Zu Beginn gab es aus RWE-Sicht jedoch erstmal einen kleinen Schreckmoment, als Torwart Philipp Klewin einen langen Ball falsch einschätzte und passieren ließ. Den durchgelaufenen Röser konnte Odak gerade noch am Einschuss hindern (5.).

In der 10. Minute folgte dann der nächste Aufreger. Ein zu kurz geratener Kopfball von Halles Verteidiger Barnofsky in Richtung seines Torwarts schnappte sich Kammlott und konnte schließlich nur noch von Tom Müller im Strafraum gefoult werden. Zum fälligen Elfmeter trat Menz an. Müller ahnte jedoch die Ecke und konnte den Ball zur Seite abwehren. Bezeichnend für die druckvolle Anfangsphase war das Eckenverhältnis von 6:1 für die Rot-Weißen nach einer knappen halben Stunde. Im Anschluss an einen von Kammlott verlängerten Eckball stand Dabanli am zweiten Pfosten völlig frei, brachte jedoch nicht genug Druck hinter den Ball. Das klare Chancenplus spiegelte sich in der 27. Minute schließlich auch auf der Anzeigetafel wieder. Der gut aufgelegte Kammlott narrte seinen Gegenspieler auf der linken Seite, ging in den Strafraum und zog einfach mal ab. HFC-Schlussmann Müller war zwar noch am Ball, konnte das Tor jedoch nicht mehr verhindern. Eine fast acht monatige Durststrecke ohne eigenen Ligatreffer endete somit für den 27-jährigen Angreifer. Wenige Minuten später bot sich Lauberbach nach Ablage von Kammlott die Möglichkeit die Führung auszubauen. Den Einschlag konnte der HFC-Schlussmann jedoch noch rechtzeitig verhindern (34.). Bis zur Halbzeit passierte dann nicht mehr viel.

Die Führung war zu dem Zeitpunkt absolut verdient. Der RWE ließ sich vom verschossenen Elfmeter nicht verunsichern, presste früh und konsequent und legte ein resolutes Zweikampfverhalten an den Tag, das den HFC in der ersten Halbzeit vor erhebliche Probleme stellte.

Schwere Kopfverletzung bei HFC-Angreifer

Die zweite Hälfte begann mit einem Zweikampf zwischen HFC-Angreifer Fetsch und RWE-Kapitän Möckel, bei dem beide Spieler unglücklich mit den Köpfen zusammenstießen. Nach minutenlanger Spielunterbrechung musste Fetsch mit Verdacht auf Jochbeinbruch ausgewechselt werden. Beide Mannschaften hatten nach der längeren Pause ihre liebe Mühe wieder einen geregelten Spielfluss aufzunehmen. In der 55. Minute behauptete sich Biankadi im Zweikampf und bediente den eingewechselten Razeek. Im Vollsprint marschierte der RWE-Spieler über das halbe Feld, wurde allerdings im letzten Moment vom Hallenser Tobias Müller in aussichtsreicher Position beim Torabschluss geblockt.

Erst in der Schlussphase der Partie wurde es noch mal turbulent. Aufgrund der minutenlangen Verletzungspause zu Beginn der zweiten Halbzeit gab Schiedsrichter Benjamin Cortus fünf Minuten Nachspielzeit obendrauf. In Erwartung des Schlusspfiffs und des sicher geglaubten Heimsieges, warfen sich die Rot-Weißen aufopferungsvoll in jeden Ball. Daraus resultierte in der letzten Spielminute noch einmal ein Eckball für die Gäste. Der scharf vors Tor getretene Ball von Baumgärtel landete genau auf dem Kopf des mit nach vorne geeilten Halle-Keepers Tom Müller. Dieser drückte das Leder aus gut acht Metern über die Linie.

Direkt danach beendete Schiri Cortus das Spiel. Auch wenn sich das Unentschieden aufgrund der Spieldramaturgie für den RWE wie eine Niederlage anfühlt und nicht zum erhofften Dreier gereicht hat, so braucht der Bergner-Elf mit der gezeigten Leistung im Kampf um den Klassenerhalt nicht bange sein.

Mit dem Punktgewinn klettert der RWE vom letzten auf den 18. Tabellenplatz. Die nächste Gelegenheit zu drei Punkten bietet sich bereits am kommenden Freitag, wenn die Mannschaft erneut in einem Ost-Derby zum Chemnitzer FC reist.

Statistik:

FC Rot-Weiß Erfurt:

Klewin - Benamar, Möckel, Dabanli, Odak - Biankadi, Menz - Brückner (Ludwig, 72.) - Lauberbach (Razeek, 46.), Huth, Kammlott (Neuhold, 80.)

Hallescher FC:

Tom Müller - Tobias Müller, Barnofsky (Starostzik 40.), Kleineheismann (Ajani, 71.) - Schilk, Gjasula, Zenga, Baumgärtel - El- Helwe - Fetsch (Manu, 49.), Röser

Zuschauer: 6147

Tore: 1:0 Kammlott (27.), 1:1 Tom Müller (90+5.)

22.10.2017 \ Profis