Rolf Rombach zieht Bilanz

Persönliches Saisonfazit aus Sicht des Präsidenten

Wir haben eine turbulente Saison hinter uns, die nicht abgehakt werden darf, sondern einer intensiven Auswertung bedarf. Nachfolgend gebe ich mein persönliches Fazit wieder:

I.

Im nichtsportlichen Bereich war die Saison geprägt durch Berichte, Ereignisse und Kommentare rund um die Arena. Das geplante Eröffnungsspiel gegen Mainz 05 musste verschoben werden; das wiederholte Eröffnungsspiel gegen Borussia Dortmund konnte wegen höherer Gewalt nicht stattfinden.

Der Verein wurde – völlig unschuldig – in diese negative Arena-Debatte einbezogen.

Thomas Kalt und ich wollten nur für den Verein marktübliche drittligawürdige Mietkonditionen aushandeln – mehr nicht! Letztendlich haben wir das auch erreicht. Dies ist für den Verein ein Erfolg. Wir sehen es nicht so, dass die Stadt uns einen „Mietrabatt“ gewährt hat, sondern schlussendlich konkurrenzfähige und drittligataugliche Mietkonditionen.

In dieser Zeit hatten wir nur mäßigen sportlichen Erfolg. Dies war der perfekte Nährboden für Kritiker, die größtenteils anonym, teilweise offen Kritik geäußert haben. Ich weiß auch, dass hinter meinem Rücken unsachlich argumentiert wurde. Die offenen Kritiker waren nicht bereit, Hintergrundinformationen aufzunehmen, um ihre Kritik sachlich zu beleuchten. Die im Hintergrund agierenden „RWE-Freunde“ sind scheinbar unter dem Motiv aufgetreten:

„Ich will doch nur das Beste für den Verein.“

Diesen Personen trete ich entgegen und behaupte, sie nutzen den Verein nur als Plattform, um Zustimmung zu erhaschen -mehr nicht. Auf diese Leute kann der Verein verzichten. Sie wollen nur hetzen, fühlen sich als Macher, nur eins wollen oder können sie nicht:

„Verantwortung übernehmen.“

Durch die Kritik wurden Personen und Mitarbeiter des Vereins im Ruf beschädigt. Feigheit, gepaart mit Unwissenheit, sind gefährliche Instrumente.

Kritik ist gut, wenn sie offen und ehrlich dargelegt wird. Nur dann kann sie im gemeinsamen Dialog mit den Vereinsvertretern den Verein weiterbringen. Es muss aber ausschließlich im Interesse des Vereins gehandelt werden, und nicht, um Eigeninteressen in den Vordergrund zu rücken.

Am Ende der Saison hatten wir sportlichen Erfolg (werde ich später noch eingehen). Der Nährboden wurde den Kritikern entzogen; seit dieser Zeit habe ich nichts mehr gehört.

II.

Sportlich war die Saison sehr turbulent und spannend bis zum letzten Spieltag. Wir haben alle unsere sportlichen Ziele erreicht und endlich den Thüringen-Pokal gewonnen. Wir stehen in der 1. Pokalhauptrunde des DFB. Dieser Erfolg hat viele Väter: Zuallererst die Mannschaft und das Trainerteam. Erfolgreich konnten wir letztendlich unsere Ziele aber nur erreichen, weil Mannschaft, Trainer, Management und Präsidium eine Einheit gebildet haben. In den letzten Wochen sind wir sehr eng zusammengerückt, haben viele Gespräche geführt und immer vertrauensvoll zusammengearbeitet. In der Schlussphase haben wir nach jedem Spiel im gemeinsamen Gesprächen mit Trainer und Manager versucht, die Situation zu analysieren und für das nächste Spiel vorzubereiten und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um das Ziel – Nichtabstieg – zu realisieren. Wir waren total auf diese Aufgabe fokussiert und haben sie letztendlich auch gemeistert.

III.

Wir haben in der abgelaufenen Saison Fehler begangen und müssen diese aufarbeiten. Wir haben uns teilweise in der öffentlichen Diskussion um die Arena zu passiv verhalten. Wir müssen auch in der öffentlichen Berichterstattung offensiver werden, damit unsere Entscheidungen nachvollziehbar werden. Ich bin davon überzeugt, dass Entscheidungen des Vereins eher auf positive Resonanz stoßen, wenn die Sachverhalte und Entscheidungsgrundlagen veröffentlicht werden. Dies geht natürlich nicht immer, da wir auch Privatsphären von beteiligten Personen schützen müssen.

Wir müssen unsere Außendarstellung in der Stadt und im Land verbessern. Hier haben wir enormen Nachholbedarf. Ich beabsichtige, dafür eine Neueinstellung im Verein vorzunehmen, um diese Aufgabe anzugehen. Es gibt genügend Anfragen von Fans, Mitgliedern und Interessierten; diese müssen umgehend beantwortet werden. Dies sind unsere Kunden und diese „Kunden“ bedürfen höchster Aufmerksamkeit. Jedes eingehende Mail muss ebenfalls zeitnah beantwortet werden. Im Verein muss mehr Offenheit gelebt werden.

Dafür stehe ich persönlich ein.

IV.

Noch einige Ausführungen zur neuen Arena:

Ich bleibe dabei, dass zukünftig die Arena für den Verein überlebenswichtig ist. Allerdings muss ich eingestehen, dass ich mich lange Zeit während der Saison nicht „heimisch“ in der Arena gefühlt habe. Das hat nichts damit zu tun, dass sich das Umfeld dramatisch verändert hat – nein; es fehlen mir in und außerhalb der Arena Zeichen, die auf unsere Heimstätte hinweisen. Dies beginnt schon mit dem fehlenden RWE-Emblem am Haupteingang der Arena. Wohlgefühlt habe ich mich in der Arena erst bei unserem letzten Heimspiel gegen Großaspach und bei unserem Endspiel gegen Wacker Nordhausen. Das mag auch an der tollen Stimmung auf den Zuschauerrängen gelegen haben. Daran müssen wir in der nächsten Saison anknüpfen, damit die neue Arena „echte Heimspielstätte“ für RWE wird. Insoweit bin ich sehr zuversichtlich.

V.

Wir haben die Lizenz für die Saison 2017/2018 erhalten. Nach Zugang des Erstbescheides des DFB am 21.04.2017 waren wir zunächst schockiert. Wir mussten Liquidität in Höhe von 3.104.000,00 € nachweisen. Uns war die Höhe der nachzuweisenden Liquidität zwar bewusst; wenn man es aber schwarz auf weiß in einem Bescheid festgesetzt bekommt, ist man zunächst – verständlicherweise – ohnmächtig. Diese Ohnmacht dauerte aber nur wenige Stunden. Wir haben im Präsidium mit dem Geschäftsstellenleiter Herrn Krause und allen Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle die Ärmel hochgekrempelt und die Arbeit aufgenommen. Begleitet wurden wir permanent von unserem Steuerberater Herrn Krings.

Ein Lizenzierungsverfahren ist kein Selbstläufer sondern ein Kraftakt, der einem alles und wirklich alles abverlangt. Teilweise werden Nächte durchgearbeitet, um die Auflagen des DFB zu erfüllen. In dieser Zeit gibt es auch Phasen, wo man nicht mehr an den Erfolg glaubt und in eine Ohnmacht verfällt. In dieser Phase sind Typen wie Thomas Kalt, unser Steuerberater Herr Krings, Herr Krause, sowie die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle gefragt, um sich gegeneinander anzuspornen. Es steht viel auf dem Spiel; es geht um das Überleben des Vereins.

In dieser Phase hätten wir gerne die oben beschriebenen Kritiker zur Unterstützung gehabt. Keiner, aber auch kein Einziger hat sich gemeldet und unterstützend zur Seite gestanden.

Sponsoren, Mitglieder, Fans haben sich gemeldet und uns unterstützt. Dafür unseren herzlichen Dank. Auch das erfolgreich abgeschlossene Lizenzierungsverfahren zeigt, dass man Berge versetzen kann, wenn man nur will und ausschließlich die Vereinsinteressen in den Vordergrund stellt. Wir alle gemeinsam haben das geschafft und sind stolz darüber.

VI.

Ein Saisonfazit wäre unvollständig, ohne eine Vorausschau auf die nächste Saison.

Im nichtsportlichen Bereich müssen wir versuchen, die Werbeeinnahmen nochmals zu erhöhen. Hier haben wir durch unsere Marketingabteilung in den letzten zwei Jahren sehr gute Steigerungen zu verzeichnen.

Die geplante „Ausgliederung“ der Lizenzabteilung wird ein zentraler Punkt in der nächsten Saison werden. Nach meinen persönlichen Überzeugungen ist der Verein nicht mehr ohne Ausgliederung überlebensfähig. Wir dürfen uns auch nicht von den derzeit beherrschenden negativen Ereignissen um 1860 München beeinflussen lassen. Daraus sollten wir nur lernen.

In sportlicher Hinsicht müssen wir versuchen – und werden das auch schaffen – talentierte Regionalligaspieler in den Lizenzspielerbereich einzubauen. Nur mit jungen talentierten Spielern kann man selbstverständlich die 3. Liga nicht halten; aber es muss der Anspruch sein, eine gesunde Mischung aus erfahrenen Spielern und jungen ehrgeizigen Nachwuchskräften zu formen. Hier habe ich vollstes Vertrauen in unseren Manager Torsten Traub.

Vor wenigen Tagen habe ich der Presse entnommen, dass wir unseren Spieleretat nicht erhöhen können. Manchmal frage ich mich, woher die Presse diese Informationen hat. Als Präsident kann ich Ihnen versichern, dass wir

den Etat für die nächste Saison trotz des schwierigen Lizenzierungsverfahrens um 100.000,00 € erhöhen werden.

Dies ist zwar ein kleiner, aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um auch ein Zeichen nach außen zu setzen. Wir haben es geschafft, mit unserem Verein in die 10. Drittligasaison zu starten bei verheerenden Begleitumständen in den letzten neun Jahren. Das schafft man nur, wenn man anpackt, private Interessen in den Hintergrund stellt und nur für den Verein arbeitet. Wir können jetzt nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen, sondern müssen in Kleinarbeit auf die „Überholspur“.

„Totgesagte leben länger“. Diese Redewendung gilt auch im Fußball. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns auf eine attraktive neue Saison freuen können. Wir stehen in der ersten Runde des DFB-Pokals und haben zwei Derbys gegen unseren Rivalen in Thüringen.

Mein persönliches Ziel ist es, weiterhin die Nr. 1 im Fußball in Thüringen zu bleiben. Dafür werde ich persönlich alles einbringen.

Erfurt, den 9. Juni 2017

Der Präsident

09.06.2017 \ Verein