Es sind diese Spiele, die bleiben. Die sich einbrennen. Das Halbfinale des Thüringenpokals zwischen unserem FC Rot-Weiß Erfurt und dem FC Carl Zeiss Jena war genau ein solches Spiel.
Vor 15.040 Zuschauern im ausverkauften Steigerwaldstadion entwickelte sich ein Spiel, das alles bot: zehn Tore, zahlreiche Wendungen, hitzige Duelle und am Ende eine Entscheidung, die aus Erfurter Sicht kaum schmerzhafter hätte ausfallen können. Nach 120 Minuten voller Leidenschaft musste das Elfmeterschießen entscheiden, in dem sich Jena mit 9:7 durchsetzte und ins Finale einzog.
Frühe Gegentore – starke Reaktion einer mutigen Mannschaft
Die Partie begann mit hohem Tempo und einer klaren Ausrichtung beider Teams: Angriff statt Abwarten. Bereits in der Anfangsphase zeigte sich die Qualität der Gäste, die in der 3. Minute durch Justin Schau nach einem präzisen langen Ball in Führung gingen.
Doch Rot-Weiß ließ sich davon keineswegs verunsichern. Im Gegenteil: Die Mannschaft reagierte mit Entschlossenheit und suchte sofort den Weg nach vorne. Nach einem Foul an Kapitän Til Linus Schwarz im Strafraum übernahm Maxime Awoudja Verantwortung und verwandelte den Elfmeter souverän zum 1:1 (7.).
Das Derby nahm früh Fahrt auf, mit offenem Visier auf beiden Seiten. Jena nutzte jedoch erneut eine Unachtsamkeit in der Defensive und ging durch Kevin Lankford (12.) wieder in Führung.
In der Folge stabilisierte sich Rot-Weiß zunehmend, gewann mehr Kontrolle im Mittelfeld und kombinierte sich immer wieder gefährlich nach vorne. Der verdiente Lohn folgte in der 31. Minute: Nach einer sehenswerten Kombination setzte sich Obed Chidindu Ugondu im Strafraum durch und schob zum 2:2 ein.
Doch kurz vor der Pause folgte der nächste Rückschlag. Wieder war es Lankford, der eine sich bietende Gelegenheit konsequent nutzte und auf 2:3 (42.) stellte.
Zweite Halbzeit: Erfurt zeigt Moral und dreht die Partie
Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich Rot-Weiß weiterhin mutig und zielstrebig. Die Mannschaft zeigte deutlich, dass sie dieses Derby nicht aus der Hand geben wollte. In der 55. Minute wurde der Einsatz belohnt: Nach einer Ecke behauptete Ugondu stark den Ball und legte auf Til Linus Schwarz ab, der aus kurzer Distanz zum 3:3 vollendete.
Das Spiel entwickelte sich nun zu einem echten Pokalfight. Zweikämpfe wurden intensiver, die Atmosphäre im Stadion immer elektrisierender. Beide Mannschaften suchten die Entscheidung – und doch schien niemand bereit nachzugeben.
In der Schlussphase gelang Rot-Weiß schließlich die erstmalige Führung: Nach einer Ecke brachte eine unglückliche Abwehraktion eines Jenaers den Ball ins eigene Tor, 4:3 für Erfurt (81.). Das Stadion stand Kopf.
Späte Wendung zwingt in die Verlängerung
Doch ein Derby dieses Ausmaßes schreibt seine eigenen Gesetze. Jena erhöhte den Druck und kam kurz vor Schluss noch einmal zurück. In der 88. Minute verwandelte Nicolas Wähling einen Freistoß aus zentraler Position direkt. Ein Treffer der Marke „unhaltbar“. Mit dem 4:4 ging es in die Verlängerung.
Verlängerung: Charaktertest bestanden
Die zusätzliche Spielzeit begann denkbar ungünstig. Direkt nach Wiederanpfiff führte eine unglückliche Situation zum erneuten Rückstand: Ein Klärungsversuch landete im eigenen Tor, 4:5 (91.).
Doch was dann folgte, war Ausdruck purer Mentalität. Rot-Weiß warf alles nach vorne, erhöhte den Druck und schnürte Jena phasenweise tief in deren Hälfte ein.
In der 112. Minute dann die Explosion im Steigerwaldstadion: Der eingewechselte Boipelo Mashigo fasste sich ein Herz, sein Schuss wurde abgefälscht und senkte sich unhaltbar ins lange Eck, 5:5. Es war sein erstes Tor im Trikot von Rot-Weiß.
Elfmeterschießen: Ein bitteres Ende
Nach 120 Minuten voller Intensität musste das Elfmeterschießen entscheiden. Die Anspannung war greifbar auf dem Platz und auf den Rängen.
Zusätzlich erschwert wurde die Situation durch eine kurze Unterbrechung, nachdem Laserpointer aus dem Zuschauerbereich für Irritationen sorgten.
Vom Punkt fehlte Rot-Weiß schließlich das letzte Quäntchen Glück und Nervenstärke. Während Jena jeden Versuch sicher verwandelte, scheiterten auf unserer Seite ausgerechnet Maxime Awoudja und Raphael Assibey-Mensah.
Nicolas Wähling setzte mit seinem Treffer den Schlusspunkt zum 7:9.
Ein besonderer Dank gilt den 15.040 Zuschauern, die dieses Spiel zu einem echten Fußballfest gemacht haben. Die Unterstützung von den Rängen war über die gesamte Spielzeit hinweg außergewöhnlich und hat die Mannschaft sichtbar getragen.
Am Ende bleibt eine Niederlage, die schmerzt.




