Was für ein Thüringenderby! Der FC Rot-Weiß Erfurt gewinnt am vierten Spieltag der Regionalliga Nordost mit 2:1 beim FC Carl Zeiss Jena. Nach einem 0:1-Pausenrückstand drehten Hinata Gonda und Romarjo Hajrulla die Partie in der zweiten Hälfte. In einer dramatischen Schlussphase hielt der eingewechselte Jaden Rodtnick den Derbysieg fest. Damit gelingt unseren Rot-Weißen erstmals seit 2011 wieder ein Punktspielsieg im Ernst-Abbe-Sportfeld.
12.141 Zuschauer waren am Sonntagnachmittag ins Ernst-Abbe-Sportfeld gekommen. Die ersten Minuten waren von gegenseitigem Abtasten geprägt. Beide Mannschaften arbeiteten konzentriert gegen den Ball, klare Torchancen blieben zunächst Mangelware. Mit zunehmender Spielzeit gelang es den Gastgebern allerdings besser, die Partie in die Erfurter Hälfte zu verlagern. Rot-Weiß verteidigte kompakt, fand im eigenen Ballbesitz aber noch nicht die nötige Ruhe und kam offensiv zunächst nur selten in gefährliche Räume.
Nach rund einer halben Stunde nutzten die Gastgeber ihre bis dahin beste Gelegenheit: Nach einem langen Ball kam Jena über Elias Löder in den Erfurter Strafraum, Kevin Lankford vollendete den Angriff zur 1:0-Führung.
Nur wenige Augenblicke später musste Rot-Weiß dann gleich den zweiten Rückschlag innerhalb kürzester Zeit verkraften. Für Kapitän Maxime Awoudja ging es verletzungsbedingt nicht weiter. Ayooluwa Adesida übernahm für ihn in der Erfurter Defensive.
Die Führung gab den Hausherren zunächst zusätzliche Sicherheit. Rot-Weiß brauchte einige Minuten, um sich nach dem Gegentreffer wieder zu sammeln, blieb aber im Spiel und arbeitete sich zum Ende der ersten Hälfte immer besser in die Partie hinein.
Und kurz vor dem Pausenpfiff lag der Ausgleich plötzlich in der Luft. In der Nachspielzeit wurde es im Jenaer Strafraum gleich mehrfach brandgefährlich. Marco Wolf kam zunächst zum Abschluss, anschließend landete der Ball bei Laurenz Dehl. Doch trotz mehrerer Versuche wollte der Ball nicht über die Linie.
So ging es mit einem knappen 0:1-Rückstand in die Kabinen. Die letzten Minuten der ersten Hälfte hatten allerdings bereits angedeutet, dass an diesem Nachmittag noch längst nichts entschieden war.
Rot-Weiß kommt mit einer anderen Energie aus der Kabine
Fabian Gerber reagierte zur Pause und brachte Romarjo Hajrulla für Benjamin Dreca in die Partie. Vor allem aber trat seine Mannschaft nach dem Seitenwechsel deutlich entschlossener auf. Rot-Weiß schob früher nach vorne, suchte zielstrebiger den Weg in Richtung Jenaer Tor.
Gerade einmal fünf Minuten waren im zweiten Durchgang gespielt, als Laurenz Dehl Hinata Gonda bediente. Der Japaner hatte aus halbrechter Position Platz, nahm Maß und setzte den Ball aus rund zwölf Metern ins linke Eck. 1:1 in der 50. Minute.
Der Treffer gab dem FC RWE sichtbar Rückenwind. Während die Gastgeber einige Zeit brauchten, um wieder in die Partie zu finden, blieb Erfurt gefährlich. In der 63. Minute bot sich Gonda sogar die Möglichkeit zum Doppelpack und damit zur Führung. Jenas Schlussmann Marius Liesegang reagierte jedoch und verhinderte zunächst den zweiten Erfurter Treffer.
Bei einem Zusammenprall mit Jenas Manassé Eshele wurde Lorenz Otto heftig am Kopf getroffen und blieb auf dem Rasen liegen. Der Erfurter Schlussmann musste behandelt und schließlich mit der Trage vom Spielfeld gebracht werden. Für ihn übernahm Jaden Rodtnick im Tor.
Trotz dieses nächsten Rückschlags blieb Rot-Weiß konzentriert. Die Mannschaft ließ sich nicht aus dem Rhythmus bringen und nur wenige Minuten später folgte der Moment, der den rot-weißen Gästeblock endgültig zum Beben brachte.
Hajrulla köpft FC RWE in Führung
Die Hereingabe des Eckballs segelte in den Jenaer Strafraum, Romarjo Hajrulla setzte sich im Luftduell durch und köpfte den Ball zur 2:1-Führung ins Netz. Aus einem Pausenrückstand war innerhalb von 25 Minuten eine Erfurter Führung geworden.
Die Gastgeber warfen in der Schlussphase noch einmal alles nach vorne und drängten auf den Ausgleich. Der FCC kam noch einmal zu guten Möglichkeiten. Elias Löder tauchte zunächst vor Rodtnick auf, konnte den Erfurter Keeper aber nicht überwinden. Und in der 90. Minute wurde es noch einmal richtig gefährlich: Löder kam frei zum Abschluss, doch Rodtnick reagierte stark und parierte.
Rot-Weiß verteidigte in den letzten Minuten mit allem, was noch da war. Jeder Zweikampf, jeder geklärte Ball und jede Sekunde zählten. Dann endlich der Schlusspfiff.
2:1. Derbysieg.
Zum ersten Mal seit 2011 gewinnt der FC Rot-Weiß Erfurt wieder ein Punktspiel beim FC Carl Zeiss Jena. Den letzten Erfurter Sieg überhaupt im Ernst-Abbe-Sportfeld hatte es 2012 im Thüringenpokal gegeben. Nun ist auch die lange Durststrecke in einem Ligaspiel beendet.
Nach vier Spieltagen steht Rot-Weiß damit bei zehn Punkten und bleibt in der neuen Regionalliga-Saison ungeschlagen.




